Der Mensch als Datensatz

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16.01.2010, 12:46
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Beiträge: 2175
#1 Frank Rieger ist Sprecher des Chaos Computer Clubs und hat hier in der FAZ ein interessantes Bild über die Zukunft, Rasterermittlung, Kommunikationssicherheit und Vorratsdatenspeicherung geschrieben.

Von einer Beschreibung einer Welt des Datensammelns, der Unfreiheit des Menschen über den von einigen Verrückten/Profiteuren gewünschten Umbau der sozialen Normen bis hin zu einem interessanten Fazit, ein lesenswerter Artikel:

Fazit, Lösungswege:

Zitat

Es bedarf konkreter Gegenwehr. Die Algorithmen müssen auf Datendünger-Diät gesetzt und vergiftet werden. Im Privaten hilft digitale Selbstverteidigung. Wir sollten alle davon ausgehen, dass jedweder Datensatz, den wir irgendwo angeben, gegen uns verwendet wird. Sei es im Rahmen einer unerwünschten Profilerstellung, sei es, wenn er beim nächsten Datenskandal „verlorengeht“. Es gibt keinen guten Grund, außer in sehr eng begrenzten Fällen, überhaupt korrekte Daten anzugeben.

Noch wichtiger ist ein nachdrückliches Eingreifen des Gesetzgebers. Dem Erstellen massenweiser Lebensprofile aus Vorratsdatenspeicherung und privaten Dateien durch Behörden wird hoffentlich das Verfassungsgericht einen Riegel vorschieben. Es ist jedoch erforderlich, dass auch Unternehmen bestimmte Arten der Persönlichkeitsprofilierung untersagt werden. Um eine neue Datenschutz-Balance wirksam zu erzwingen, ist die Einführung einer aktiven, regelmäßigen Mitteilungspflicht von Behörden und Unternehmen über die gespeicherten Daten an jeden einzelnen Betroffenen notwendig. Wir nennen es den Datenbrief. Dabei müssen nicht nur die Rohdaten mitgeteilt werden, sondern auch alle abgeleiteten Informationen, eben die extrahierten Merkmale und Profile, inklusive der Möglichkeit, sofort die Löschung zu verlangen. Zudem bedarf es der persönlichen Haftung der Geschäftsführung für Datenverbrechen, sowohl bei illegaler Weitergabe und Verarbeitung als auch bei Sicherheitsschwankungen.

Der Effekt wäre eine Art Tobin-Tax auf überflüssige Daten. Es lohnt sich dann nur noch, Daten aufzuheben, die wirklich notwendig sind. Das zu erwartende Gejammer der Profiteure sollte im öffentlichen Interesse geflissentlich ignoriert werden. Der alte Einwand, dass die Unternehmen abwandern und die Daten im Ausland verarbeiten, ist nichts weiter als ein Hinweis an den Gesetzgeber, dem vorzubeugen sowie auf europäischer und internationaler Ebene harte Vereinbarungen nach deutschem Vorbild durchzusetzen.
Dieser Beitrag wurde am 16.01.2010 um 12:53 Uhr von Laserpointa editiert.
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