User eines Internetforums wilkürlich aussperren bzw. bannen?

#0
12.03.2006, 01:29
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Beiträge: 6
#1 Schönen guten Morgen, ;)

wollte mal fragen, was Ihr zu folgender Sache meint oder ob jmd. ähnliche Erfahrungen gemacht hat:
Ein Benutzer hat ein Forum freiwillig verlassen, sein Mitgliedskonto selbst gelöscht. Die vorausgehende Auseinandersetzung mit den Admins spielte sich wohl zum größten Teil über private Nachrichten und e-mails ab, es gab keine Netiketteverstöße, Verletzungen der Forenregeln oder dergleichen. Nun wird von den Admins eine "Hexenjagd" und "Sippenhaft" gegen diese Person betrieben, indem alle Benutzer, die tatsächlich oder vermeintlich zu dieser Person in Beziehung stehen, aus dem Forum gesperrt werden. Die Hinweise stammen zum einen aus Datenabgleich (ip, ISP ... ) mit dem gelöschten Mitgliedskonto, zum anderen versuchen die Admins auch über Dritte (Denunzianten) etwas über die "Verdächtigen" heraus zu bekommen, sammeln in internen Adminboards Informationen, stellen dort private Nachrichten von den Personen an andere Mods und User, Beleidigungen und Verleumdungen hinein usw. Das nennen sie dann zynisch und selbstgefällig "Kommunikation über Problemuser". Dass das tatsächlich so ist, hat der Benutzer, der sein Konto selbst gelöscht hat, durch Zufall über einen Bug und weil er früher als Mod selbst zum Teil Einblick in solche Vorgänge hatte, erfahren. Ich nenne das schlicht und ergreifend Datenmissbrauch.
Mal davon abgesehen, dass sich die Admins damit letzten Endes selbst ins Knie schießen werden, dürfen meines Wissens Benutzer nicht ohne sachlichen Grund aus einem für alle Internetnutzer zugänglichen Forum gesperrt werden (dazu gibt es eine gerichtliche Entscheidung, deren Az. ich momentan aber nicht finde). Den Betroffenen konnte ich keine sinnvolle Antwort geben, außer dem Forum Adieu zu sagen oder sich neue ip, Netzwerke, Browser, ISPs und was sonst so noch alles über die User gesammelt wird, zuzulegen. Denn begreiflicherweise wird keiner wegen eines Forums im Freizeitbereich einen Gerichtsprozeß anstrengen wollen.

Was meint Ihr dazu? Hat jemand eine andere erfolgversprechende Lösung?

Gruss,
Ellissen
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12.03.2006, 11:24
Moderator
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Beiträge: 2307
#2

Zitat

Mal davon abgesehen, dass sich die Admins damit letzten Endes selbst ins Knie schießen werden, dürfen meines Wissens Benutzer nicht ohne sachlichen Grund aus einem für alle Internetnutzer zugänglichen Forum gesperrt werden (dazu gibt es eine gerichtliche Entscheidung, deren Az. ich momentan aber nicht finde).
Ich denke, wenn es ein privat betriebenes Forum ist, welches aber dennoch öffnetlich zugänglich ist, so ist es im Ermessen des Forenadmins Leute zu sperren.
Ich selber habe ein kleines privates Forum online. Wenn ich mir vorstelle, daß ich da "ungebetene Gäste" dulden müsste...
__________
Woher soll ich wissen was ich denke, bevor ich höre was ich sage??
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12.03.2006, 14:08
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Beiträge: 6
#3 Hab es wieder gefunden. Das Urteil bezog sich zwar auf einen Ausschluss aus einem Chat, aber meines Erachtens ist das bei einem Forum ein paralleler Sachverhalt:
http://www.netlaw.de/urteile/lgbn_02.htm

Also offenbar kein Ermessen des Admins, solange keiner der im Urteil genannten "sachlichen Gründe" für einen Ausschluss vorliegt. Fast alle Internetforen sind doch privat betrieben, mal abgesehen von ein paar behördlichen, Verbandsforen usw. Wenn ein Betreiber keine "ungebetenen Gäste" dulden will, kann er das über ein Privatforum, das z.B. nur für von ihm ausgewählte User über ein Passwort zugänglich ist, realisieren.
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13.03.2006, 00:16
Moderator
Avatar hevtig

Beiträge: 2307
#4 hi, das ist ja wirklich eine interesasnte Sache..

Zitat

Ebenso wenig werden verbindliche Bedingungen formuliert, unter den die Nutzung gestattet wird.
Hier ist natürlich von Fall zu Fall zu unterscheiden. Bestehen verbindliche Formulierungen, bzw. wird mit Ausschluss gedroht bei Fehlverhalten? Da sollte man natürlich als Forenadmin handeln und seine Nutzungsbedingungen updaten.


Zitat

Anders wäre es nur, wenn die Verfügungsklägerin Gründe für den Ausschluss gehabt hätte, wie etwa eine Störung des Betriebsablaufes oder dass der Verfügungsbeklagte die Software nicht im Rahmen des üblichen "Chatter-Verhaltens" genutzt hätte.

Zitat

Das nennen sie dann zynisch und selbstgefällig "Kommunikation über Problemuser".
Auch sowas sollten in die Nutzungsbedingungen des Forums.
__________
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13.03.2006, 00:25
Member
Avatar Laserpointa

Beiträge: 2175
#5

Zitat

dürfen meines Wissens Benutzer nicht ohne sachlichen Grund aus einem für alle Internetnutzer zugänglichen Forum gesperrt werden (dazu gibt es eine gerichtliche Entscheidung, deren Az. ich momentan aber nicht finde).
in den Protecus Forenregeln steht zum Beispiel: Das posten in diesem Forum ist ein Privileg und kein Recht!

ich finde es auch richtig, das sich private oder generell moderierte Foren das Recht vorbehalten User die gegen die Forenregeln verstossen zu sperren.

allerdings sollte man sich natürlich scharf überlegen ob man nicht in ein anderes Forum ausweicht, wenn das Foren Team solche Aktionen wie die von dir beschriebenen durchführt.

Greetz Lp
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16.03.2006, 12:22
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Beiträge: 6
#6 Das Thema bzw. Urteil finde ich auch sehr interessant. Endlich wird mal klar gesagt, dass ein öffentliches Forum kein rechtsfreier Raum, vergleichbar einer Privatwohnung ist. Viele Webmaster und Administratoren sitzen diesem Irrglauben auf. Logisch, weil sie (alleine) bestimmen wollen, was abgeht. Nur leider ist ein Forum ohne Benutzer recht langweilig und leer.

Doch, es gibt da Nutzungsbedingungen, denen bei der Registrierung zugestimmt werden muss:

Zitat

Du verpflichtest Dich, keine beleidigenden, obszönen, vulgären, verleumderischen, gewaltverherrlichenden oder aus anderen Gründen strafbaren Inhalte in diesem Forum zu veröffentlichen.
Ansonsten wird noch die Einhaltung der allgemein üblichen Netikette gefordert und dass die Forenstruktur nicht für gezielte Abwerbung ausgenutzt werden darf. Das sind die Gründe, die zu einem Ausschluss führen können. Ist meiner Meinung nach ganz klar, dass keiner solche Dinge in seinem Forum dulden muss. Im Prinzip braucht man dazu nicht einmal Nutzungsbedingungen, weil die aufgeführten Verhaltensweisen, um wieder auf das Urteil bezug zu nehmen, schon ausserhalb des "üblichen Nutzerverhaltens" liegen oder sogar Straftaten sind.
Nur, nichts davon haben die ausgeschlossenen user gemacht...
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16.03.2006, 19:30
Member

Beiträge: 21
#7

Zitat

Ellissen postete
... stellen dort private Nachrichten von den Personen an andere Mods und User, Beleidigungen und Verleumdungen hinein usw.....
hmm...mails von usern untereinander abzufangen, fällt sowas nicht unter das postgeheimnis und da kann man ganz schön ärger bekommen
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19.03.2006, 14:11
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Themenstarter

Beiträge: 6
#8 Ja, sollte man denken. Es ist nur so, dass die meisten User das nicht wissen und in ihrer Unwissenheit private und sogar ziemlich intime Sachen in diesen Forumsnachrichten schreiben. Die Admins können die einfach aus der Datenbank auslesen. Ich schätze, alles was technisch möglich ist, wird auch gemacht, besonders im Fall einer "Hexenjagd" wie oben beschrieben.
Ich weiss es nicht genau, aber vermutlich muss man da zwischen mails und internen Forumsnachrichten unterscheiden. Mails fallen natürlich immer unter das Postgeheimnis. Bei Forumsnachrichten kommt es wohl wieder darauf an, ob es ein privates oder ein öffentliches Forum ist. Bei einem öffentlichen Forum fände ich es jedenfalls moralisch das Allerletzte, wenn Nachrichten, die vom Absender nur für einen bestimmten User gedacht sind, "ausgewertet", in administrativen Boards veröffentlicht und an Dritte weitergegeben werden. Ein eklatanter Vertrauensbruch ist es allemal, wenn nicht sogar auch eine Verletzung des Postgeheimnisses.
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21.03.2006, 03:29
Member

Beiträge: 209
#9 Auch persönliche Nachrichten fallen unter das sog. Postgeheimnis, nicht nur Emails. Sie dürfen also nur dann weitergeleitet oder veröffentlicht werden, wenn der Sender zugestimmt hat.
Das Problem ist der Nachweis. Wo kein Kläger, da kein Richter.
Es ist immer ein Risiko, sehr vertrauliche Dinge via PN auszutauschen, dessen sollte sich jeder Forenteilnehmer immer bewusst sein.

Gegen ein gesondertes Adminboard ist juristisch nichts einzuwenden, viele Foren haben verdeckte Bereiche, zu denen nur Mitglieder Zutritt haben.
Warum auch nicht? Ein Webmaster eines privaten Forums (das ist eines, was ohne Registrierung nicht einsehbar ist), kann nunmal entscheiden, wenn er in seine Community läst und wen nicht. Ich lasse auch nicht jeden in meine Wohnung, der anklopft.

Natürlich ist es moralisch nicht vertretbar, Forenregeln zu erstellen, bei dessen Verstoss man ausgeschlossen wird, aber auch User auszuschliessen, die nicht gegen diese Regeln verstossen haben.
Ob das auch juristisch vertretbar ist, weiss ich nicht genau, ich denke, man kann dagegen nichts machen. Du kannst natürlich zum Anwalt gehen und versuchen, den Webmaster einzuschüchtern.
Sollte das Ganze dann tatsächlich (auf dem Privatklageweg, da vermutlich kein öffentliches Interesse besteht, und so ein Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt werden würde) vor Gericht landen, wird es ein langwieriger und vermutlich teures Verfahren, Ausgang ungewiss. Leider.

Ich kann Dir nur den Rat geben, entweder Du ziehst die harte Tour durch, lässt böse Briefe von einem Anwalt schreiben, und darauf hoffen, dass die Administratoren sich einschüchtern lassen, oder vergiss die Angelegenheit.
Das ist sicherlich nervenschonender und billiger.

Wenn Du tatsächlich bombensichere Belege hast, dass verleumdet wird, und es nachweisen kannst, sollte der Staatsanwalt tätig werden.
Das wird er aber sicher nicht, wenn da "nur" verbreitet wird, Ellisen (ein Nick, den niemand einer Realperson zuordnen kann) ist ein Idiot, schwul und Lügner, oder sonstwas in dem Kaliber, vergiss es.
Geht es in einen richtig üblen Bereich (zB Ellisen ist ein Kinderschänder, Mörder oder Terrorist), wird auch der müdeste Staatsanwalt -hoffentlich- aufwachen und aktiv werden.
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21.03.2006, 03:33
Member

Beiträge: 209
#10 daher ist es vermutlich am sinnvollsten, Du vergisst dieses Forum oder Du wechselst den Internetprovider und fängst dann dort nochmal neu an und lässt die Vergangenheit ruhen (denn immer nur mit Proxy unterwegs zu sein macht auch keinen richtigen Spass).
Seitenanfang Seitenende
23.03.2006, 20:57
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Themenstarter

Beiträge: 6
#11 Wie oben schon erwähnt, es ist in Deinem Sinne dann ein "öffentliches" Forum. Man kann nämlich auch ohne Registrierung alles einsehen (bis auf diese versteckten administrativen Boards selbstredend) und sogar als Gast Beiträge reinstellen.
Es wurden ausdrücklich nicht die user oder usernicks ausgesperrt, sondern die (angeblich) dahinter stehende reale Person. Etwas, das eigentlich doch überhaupt nicht geht, denn wie will ein Admin oder Webmaster wissen, welche und wieviele reale Personen über einen oder mehrere bestimmte Zugänge in das Internet gehen?! Mit den Betreibern ist überhaupt kein reden, weder auf die "harte" noch die "einsichtige" Tour. Es ist zwar schön, wenn man wie die Betroffenen eine Rechtsschutzversicherung hat ;), aber stimmt, es bleibt trotzdem nur nervend und die Typen, die mit solchen Methoden vorgehen, würde man im realen Leben doch auch nicht mit dem Allerwertesten angucken! Beweise wären wohl genug da, es wird zwar seitenweise unter den usernicks beleidigt und verleumdet (X ist Alkoholiker, Y ist psychisch krank und was die so zu ihrer Selbstaufwertung noch alles brauchen), aber die realen Personen sind auch bekannt. Wie gesagt, das "Wissen" beziehen sie über Dritte und vertrauliche Nachrichten.

Ja, das sind fast genau meine Worte, sie sind doch auf das Forum nicht angewiesen, also sollen sie einfach drauf pfeifen und einen möglichst großen Bogen um sowas machen. ;) Sowas kann eine im ersten Moment zwar schmerzhafte, aber im Ergebnis ziemlich lehrreiche Erfahrung sein.
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